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Der zu Sowjetzeiten gebaute Enguri-Staudamm ist das größte Bauwerk im Kaukasus - errichtet inmitten einer seismisch aktiven Zone. Eine ingenieurtechnische Meisterleistung, von der Georgiens Energiesicherheit abhängt. Doch der Damm hat ein kritisches Alter erreicht. Die Geophysikerin Birgit Müller und ihr Team haben Überwachungsmethoden entwickelt, um Gefahren früh zu erkennen.
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Mitten in der Nacht, im Kaukasus: Die deutsche Geophysikerin Birgit Müller steigt aus dem Auto. Die Luft ist feucht, der Regen hat die Straßen aufgeweicht. Ankunft in Georgien für den vorerst letzten Forschungsaufenthalt. Vor ihr erhebt sich die „Lady Enguri“ - eine gigantische Staumauer, eine der größten der Welt. Seit fast fünfzig Jahren hält sie Millionen Tonnen Wasser zurück. Doch die Zeit arbeitet gegen sie. Materialermüdung, Erosion, Sedimente - die Risiken wachsen. Ein Bruch wäre eine Katastrophe für die Dörfer unterhalb der Staumauer. Und für die Energieversorgung, denn fast die Hälfte des Stroms für Georgien wird hier produziert.Birgit Müller und ihr Team haben im Forschungsprojekt DAMAST Methoden entwickelt, um frühzeitig Gefahren für den Damm zu erkennen. Eine wichtige Arbeit. Nicht nur hier, sondern weltweit stellen alternde Staudämme ein wachsendes Risiko dar. Hinzu kommt die politische Lage: Seit der Abspaltung Abchasiens in den 1990er Jahren steht der Damm auf georgischer Seite, das Kraftwerk jedoch in der von Russland kontrollierten selbst ernannten Republik Abchasien. Levan Mebonia, Direktor der staatlichen Betreiberfirma, muss in diesem Spannungsfeld für die Zusammenarbeit beider Seiten sorgen.Für die Forschenden um Birgit Müller ist es vielleicht die letzte Gelegenheit, gemeinsam mit Georgien am Damm zu arbeiten. Aufgrund der Spannungen zwischen der EU und dem Kaukasusstaat hat Deutschland Kooperationen mit dem Land ausgesetzt. Das Wissen soll jedoch weitergegeben werden. In einer Summer School sollen Erkenntnisse geteilt werden.
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